ISTAF 2026: der große Disziplinen-Check

28. August 2026

Welche Stars sind am Start? Wer hat Chancen auf den Sieg? Das erwartet die Leichtathletik-Fans am

Sonntag, 30. August 2026, im Berliner Olympiastadion. Stand 28. August 2026, 12:00 Uhr.

Männer

100 Meter

Deutsche EM-Stars fordern internationale Asse

Die deutschen Kurzsprinter haben seit einigen Jahren einen Höhenflug. Vorläufiges Highlight: vier Medaillen bei den Europameisterschaften in Birmingham. Am Sonntag trifft die deutsche Sprint-Elite im Olympiastadion auf einen „ISTAF-Experten“: Jeremiah Azu. Der Brite kommt mit einer Bestzeit von 9,97 Sekunden ins Olympiastadion und war bei den ISTAF-Indoor-Stationen im Winter in Düsseldorf und Berlin nicht zu schlagen. Nun würde er nur zu gern den ISTAF-Hattrick 2026 perfekt machen. Unter zehn Sekunden ist auch schon Yoshihide Kiryu geblieben. Der Japaner legt 2026 eine stabile Saison mit Zeiten um 10,10 Sekunden hin. Für den Olympia-Zweiten mit der japanischen Sprintstaffel von 2016 soll nun im Berliner Olympiastadion der Ausreißer nach oben folgen.

Mittendrin im Feld der Top-Sprinter tummelt sich ein deutsches Trio, das bei der EM mit den Staffeln für Furore sorgte. Kevin Kranz und Heiko Gussmann (beide Sprintteam Wetzlar) gewannen in Birmingham sowohl mit der Männer- als auch mit der Mixed-Staffel Silber. Speziell Heiko Gussmann startete diesen Sommer durch und steigerte seine 100-Meter-Bestzeit auf 10,06 Sekunden. Damit musste er sich bei den Deutschen Meisterschaften nur 200-Meter-Europameister Owen Ansah (Hamburger SV), der beim ISTAF verletzungsbedingt fehlt, geschlagen geben. Außerdem läuft Gussmann beim ISTAF regelmäßig zu Hochform auf. So siegte er 2025 als „Nobody“ sensationell beim ISTAF Indoor in Berlin. Das deutsche Trio vervollständigt in Berlin Lucas Ansah-Peprah (Hamburger SV), der die deutsche Silber-Staffel in Birmingham ins Ziel führte.

1500 Meter

Der Uralt-Meetingrekord wackelt

Als Saïd Aouita ISTAF-Geschichte schrieb, waren die diesjährigen Starter über 1500 Meter noch gar nicht geboren. Am 23. August 1985 lief der Marokkaner die Distanz in 3:29,46 Minuten – und damit schneller als alle anderen 1500-Meter-Läufer zuvor. Der damalige Weltrekord ist auch 41 Jahre später immer noch Meetingrekord. Ein Beweis für die außergewöhnliche Leistung des Ausnahmeathleten. Doch das aktuelle Feld hat die Klasse, den Uralt-Meetingrekord zu unterbieten. Denn mit dem australischen Duo Cameron Myers (3:28,00 min), Oliver Hoare (3:29,41 min) und Narve Gilje Nordas (Norwegen; 3:29,47 min) haben drei ISTAF-Asse die „magische“ 3:30-Minuten-Marke bereits unterboten.

Dazu kommt mit Robert Farken (SG Motor Gohlis-Nord Leipzig) der beste deutsche 1500-Meter-Läufer der Geschichte. Der WM-Sechste steigerte in diesem Sommer den Deutschen Rekord auf 3:30,09 Minuten. Vielleicht fällt ja im Olympiastadion nun endlich die 3:30-Minuten-Marke? Die Favoritenrolle dürfte allerdings bei Cameron Myers liegen. Der 20-Jährige steigerte 2026 seine Bestzeiten über 800 Meter (1:44,05 min), 1500 Meter (3:28,00 min), 1 Meile (3:46,06 min), 3000 Meter (7:27,57 min) und 5000 Meter (13:11,66 min) deutlich. Am Donnerstag in Zürich überzeugte er außerdem mit 7:27,97 Minuten über 3000 Meter. Diese starke Saison möchte er nun mit einem ISTAF-Sieg krönen.

In dem großen Feld werden einige Außenseiter auf ihre Chance lauern. Allen voran Mohamed Attaoui (Spanien). Der EM-Dritte über 800 Meter hat ebenfalls das Potenzial, die 3:30-Minuten-Marke zu unterbieten. Gleiches gilt für Ethan Strand (USA), der erst vergangene Woche in Chorzow sein erstes Diamond-League-Meeting gewann, den EM-Dritten Andrew Coscoran (Irland) und Anas Lagtiy (Frankreich). Hindernisspezialist Karl Bebendorf (Dresdner SC) präsentiert sich nach EM-Bronze noch einmal den deutschen Fans auf der „Kurzstrecke“ und will natürlich möglichst dicht an seine Bestzeit von 3:35,51 Minuten heranlaufen.

400 Meter Hürden

Ehrenrunde für Lokalmatador Emil Agyekum

Schritt für Schritt hat sich Emil Agyekum (SCC Berlin) in den vergangenen Jahren gesteigert. Mittlerweile ist er dort angekommen, wo jeder Leistungssportler landen will: in der Weltspitze. Der Berliner blieb in dieser Sommersaison gleich viermal unter der prestigeträchtigen 48-Sekunden-Marke. Die doppelte Krönung folgte in Großbritannien. Zunächst steigerte er Mitte Juli in London den 41 Jahre alten Deutschen Rekord von Leichtathletik-Legende Harald Schmid um drei Hundertstel auf 47,45 Sekunden. Vier Wochen später stürmte er in Birmingham hinter Weltrekordler Karsten Warholm (Norwegen) zu EM-Silber. Es war die erste EM-Medaille eines deutschen Langhürdlers seit Harald Schmid 1986 in Stuttgart.

So wird das Heimspiel beim ISTAF zur Ehrenrunde für Emil Agyekum. Mit einem Sieg beim Meeting-Klassiker würde der 27-Jährige seiner Saison ein i-Tüpfelchen verpassen. Seine persönliche ISTAF-Bestzeit steht bei 48,21 Sekunden. Die würde der Vize-Europameister natürlich zu gern unterbieten. Dass der Sieg kein Selbstläufer wird, zeigt ein Blick in die Startliste. Mit dem EM-Fünften Owe Fischer-Breiholz (Königsteiner LV) ist ein weiterer deutscher Ausnahmeläufer am Start. Mit einer Bestzeit von 48,01 Sekunden hat der U23-Europameister bereits am Tor zur Weltklasse angeklopft. Mit dem Jamaikaner Assinie Wilson (PB: 48,29 sec) und Kazuki Kurokawa (Japan; 48,35 sec) wollen zwei internationale Starter Emil Agyekum den Sieg streitig machen.

 

Stabhochsprung

Sechs-Meter-Trio trifft auf deutsche Elite

Traditionell tummeln sich die Sechs-Meter-Stabhochspringer beim ISTAF. Gleich drei Starter mit Bestleistungen jenseits der Sechs-Meter-Marke sind auc in diesem Jahr im Olympiastadion dabei. Besonders gern kommt Sam Kendricks zum ISTAF. 2024 übersprang der zweimalige Weltmeister 6,01 Meter im ersten Versuch und scheiterte erst daran, den ISTAF-Rekord von Sergey Bubka auf 6,08 Meter zu steigern. Auch in diesem Jahr hat der US-Springer bereits 5,95 Meter gemeistert. Die Form für einen erneuten ISTAF-Höhenflug passt also. Ebenfalls zum elitären Sechs-Meter-Klub zählen US-Rekordler KC Lightfoot (6,07 m) und der philippinische Landesrekordler Ernest Obiena (6,00 m).

Die sechs Meter sind auch weiterhin das Ziel von Bo Kanda Lita Baehre (Düsseldorf Athletics). Mit 5,90 Metern hat sich der EM-Finalist der Marke schon angenähert. Seine starke Saison will der Düsseldorfer auf der großen ISTAF-Bühne fortführen. Dass für ihn im Olympiastadion große Höhen möglich sind, zeigte er 2024 mit 5,82 Metern. Diesmal soll es noch ein kleines Stück höher gehen. Mit von der Partie sind außerdem der Deutsche Meister Marec Metzger (TSV Gräfelfing), der sich zuletzt auf 5,60 Meter steigerte, und EM-Finalist Gillian Ladwig (Schweriner SC). Für beide geht es darum, sich möglichst lange gegen die Weltklasse-Konkurrenz zu behaupten und in den Bereich ihrer Bestleistung zu kommen.

Speerwurf

Deutsche EM-Stars treffen auf 90-Meter-Werfer

Mit einem sensationellen Wurf im letzten Durchgang auf 90,40 Meter konnte sich Julian Weber (USC Mainz) in Birmingham mit Meisterschaftsrekord den EM-Titel sichern. Damit fing er noch seinen nationalen Konkurrenten Nick Thumm (VfB Stuttgart) ab, der bis dato mit 83,76 Metern in Führung gelegen hatte. Der Stuttgarter war die Überraschung in Birmingham. Denn der Deutsche Vizemeister hatte sich „nur“ über das World Ranking für die EM qualifiziert und beendete die Meisterschaften mit zwei neuen Bestleistungen und Sensations-Silber. Natürlich sind beide auch beim ISTAF am Start und werden sich noch einmal feiern lassen. Ganz nebenbei möchte der in Berlin lebende Europameister Weber seinen fünften Sieg in Folge klarmachen. Seit 2022 ist er beim ISTAF nicht zu schlagen!

Doch die Konkurrenz für den Seriensieger ist stark. Denn Julian Weber (PB: 91,51 m) ist nicht der einzige 90-Meter-Werfer im Feld. Rio-Olympiasieger Thomas Röhler (LC Jena; 93,90 m) und Zweifach-Weltmeister Anderson Peters (Grenada; 93,07 m) haben in ihrer Karriere bereits die 90-Meter-Marke übertroffen. Mit dem WM-Dritten Curtis Thompson (USA; PB: 87,76 m) möchte ein weiterer Werfer den prestigeträchtigen Sieg im Olympiastadion mit nach Hause nehmen. Allerdings muss er dann – wie alle anderen – weiter werfen als „Mr. ISTAF“ Julian Weber.

Dreikampf

Zehnkampf-Europameister Leo Neugebauer ist der Gejagte

Bei der EM in Birmingham konnte man wieder erleben, warum der Zehnkampf seinen Namen trägt. Leo Neugebauer (VfB Stuttgart) kämpfte sich über 1500 Meter mit letzter Kraft ins Ziel und sicherte sich EM-Gold. Nach wenigen Minuten der Erholung feierte er zusammen mit Silbergewinner Niklas Kaul (USC Mainz) den ersten Zweifachsieg deutscher Zehnkämpfer bei Europameisterschaften seit 1969. Beide dürfen beim ISTAF nicht fehlen, sie starten beim spannenden Dreikampf. Der „Mini-Mehrkampf“ wird in den Disziplinen 100 Meter, Diskuswurf und 1500 Meter ausgetragen.

Seinen Höhepunkt erlebt der Dreikampf bei den abschließenden 1500 Metern nach der Gundersen-Methode. Das Prinzip kennen Sportfans vor allem aus dem Wintersport (Biathlon, Nordische Kombination). Der nach den ersten beiden Disziplinen führende Zehnkämpfer startet über 1500 Meter als Erster. Die weiteren Athleten folgen entsprechend ihrem Punkte-Rückstand – je größer der Abstand nach 100 Metern und Diskuswurf, desto später erfolgt der Start. Der Vorteil: Die Reihenfolge im Ziel ist auch die Reihenfolge im Gesamtklassement. Wer das Rennen als Erster beendet, gewinnt auch den ISTAF-Triathlon. Es muss also nicht mehr gerechnet werden. Benannt ist die Methode nach dem Norweger Gunder Gundersen, der den Modus in den 1980er Jahren entwickelte.

Aufgrund seiner Diskuswurf-Dominanz liegt die Favoritenrolle bei Leo Neugebauer. Allerdings wissen die schnellen 1500-Meter-Läufer jederzeit im Rennen, wie viele Meter sie aufholen müssen, um zu gewinnen. Die Situation des Jägers kann enorme Kräfte freisetzen. Zu den größten Herausforderern von Leo Neugebauer gehören unter anderem der Franzose Makenson Gletty (EM-Bronze 2024 in Rom), der italienische Rekordhalter Dario Dester (8318 Punkte), der EM-Sechste Rasmus Roosleht (Estland) und der deutsche Zehnkampf-Youngster Amadeus Gräber (Eintracht Frankfurt), der bei der EM sein internationales Debüt als starker Achter beendete. Schon 2024, nach Olympia-Silber von Leo Neugebauer, hatte das ISTAF den Dreikampf ins Programm genommen. Leo Neugebauer hatte ihn für sich entschieden.

100 Meter Para

Felix Streng will Vorjahressieg wiederholen

„Die Stimmung ist der Wahnsinn“, jubelte Felix Streng nach seiner starken ISTAF-Premiere im Olympiastadion. Im Vorjahr konnte der zweimalige Paralympicssieger vom Sprintteam Wetzlar einmal mehr seine Ausnahmestellung im 100-Meter-Sprint unter Beweis stellen. In 10,65 Sekunden schlug er den Paralympicssieger von 2024, Sherman Guity Guity (Costa Rica; 10,82 sec). Den Erfolg gegen einen seiner Lieblingsgegner möchte Streng am Sonntag wiederholen. Neben Sherman Guity-Guity wird aber auch der Niederländer Olivier Hendriks, der über seine Parade-Disziplin 400 Meter bereits zweimal Edelmetall (Silber 2020, Bronze 2024) bei Paralympics abräumen konnte, etwas dagegen haben.

Frauen

100 Meter

Ein hochklassiges Feld mit drei deutschen Trümpfen

Das Berliner Olympiastadion ist so etwas wie das Wohnzimmer für Gina Lückenkemper (SCC Berlin). In keinem anderen Stadion war die Europameisterin von 2022 schneller unterwegs. Ihre Bestzeit von 10,93 Sekunden sprintete sie 2024 beim ISTAF. Vier ihrer fünf Top-Zeiten entstanden im Olympiastadion. Auch wenn die 29-Jährige nach gesundheitlichen Problemen keine reibungslose Saison hinter sich hat, ist sie immer extra motiviert, wenn es im Olympiastadion zur Sache geht. Und natürlich will Gina Lückenkemper immer ihr volles Potenzial zeigen, wenn Zehntausende Fans in Berlin sie anfeuern.

Drei weitere Sprinterinnen sind beim ISTAF dabei, die in ihrer Karriere schon die prestigeträchtige Elf-Sekunden-Marke unterbieten konnten. Thelma Davies steigerte vergangenes Jahr den Landesrekord von Liberia auf 10,91 Sekunden. Seit diesem Jahr ist Christania Williams mit 11,06 Sekunden österreichische Landesrekordlerin. Die 31-Jährige ist seit November 2025 für die Alpenrepublik startberechtigt. Die Bestzeit der gebürtigen Jamaikanerin steht sogar bei 10,96 Sekunden. Eine starke Saison 2026 bestreitet die jüngste Starterin im Feld. Die 19-jährige Jamaikanerin Sabrina Dockery steigerte sich im Sommer auf 10,92 Sekunden.

Mit Dauer(b)rennerin Rebekka Haase (Sprintteam Wetzlar), die zusammen mit Gina Lückenkemper EM-Silber mit der Mixed-Staffel gewann, und der Deutschen Meisterin Jolina Ernst (TV Wattenscheid 01) sind zwei weitere ganz schnelle deutsche Sprinterinnen dabei. Auf der blauen Bahn geht es für sie darum, möglichst nah an ihre Saisonbestzeit heranzulaufen und die „Sub-11-Sprinterinnen“ zu ärgern.

800 Meter

Smilla Kolbe mittendrin im elitären Feld

Die 800 Meter der Frauen haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt. Zeiten deutlich unter zwei Minuten sind mittlerweile an der Tagesordnung. Dabei mischt seit diesem Jahr auch Smilla Kolbe (Eintracht Frankfurt) mit. Die Deutsche Meisterin steigerte sich bei der EM auf 1:57,80 Minuten und lief damit die beste Zeit einer deutschen Mittelstrecklerin seit der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten. Beim ISTAF präsentiert sich Smilla Kolbe zum ersten Mal seit der EM den deutschen Fans.

Die Konkurrenz für die Frankfurterin hat es im Olympiastadion allerdings in sich. Mit Jemma Reekie (Großbritannien; 1:55,61 min) und Sage Hurta-Klecker (USA; 1:55,89 min) ist ein Duo mit Bestzeiten unter 1:56 Minuten am Start. Dazu kommt eine große Unbekannte: Mary Moora (Kenia). Die Weltmeisterin von 2023 bestreitet beim ISTAF ihr erstes ernsthaftes 800-Meter-Rennen des Jahres. Dass sie im Olympiastadion bestens zurechtkommt, bewies sie 2024. Damals lief sie beim ISTAF mit 1:21,63 Minuten eine Weltbestzeit über 600 Meter.

Ebenfalls auf der Rechnung um den Sieg sollte man Oratile Nowe haben. Die Landesrekordlerin von Botswana hat sich in der Late Season wieder in „Sub-2-Form“ gebracht. Erneut unter zwei Minuten möchte ebenfalls Deutschlands Top-Talent Jana Becker (Königsteiner LV) bleiben. Die U20-Europameisterin steigerte sich bei der EM auf 1:59,08 Minuten und kann dank stets guter Taktik auf der Zielgeraden immer noch den einen oder anderen Platz gutmachen.

100 Meter Hürden

Auf den Spuren von Yordanka Donkova

Der Hürdensprint hat beim ISTAF eine große Tradition. Vor 40 Jahren lief die langjährige Weltrekordlerin Yordanka Donkova (Bulgarien) mit 12,37 Sekunden ISTAF-Rekord. Die Bestmarke der Ausnahmeläuferin hat immer noch Bestand. Doch die Meetingmacher haben es geschafft, ein ganz starkes Feld zusammenzustellen, das den Uralt-Rekord unterbieten könnte. Mit Danielle Williams (12,31 sec), Demisha Roswell (beide Jamaika; 12,40 sec), Amber Hughes (USA; 12,54 sec) und der EM-Dritten Laeticia Bapte (Frankreich; 12,60 sec) sind drei der Athletinnen bereits in die Nähe der uralten Bestmarke gesprintet oder konnten sie im Laufe der Karriere schon unterbieten.

Ebenfalls zu großer Form laufen wieder die deutschen Hürdensprinterinnen auf. So steigerte Rosina Schneider (TV Sulz) bei der EM in Birmingham ihre Bestzeit auf 12,76 Sekunden. Ihr dicht auf den Fersen sind Lia Flotow (1. LAV Rostock; 12,83 sec) und Marlene Meier (TSV Bayer 04 Leverkusen, 12,84 sec). Alle drei liefen ihre Bestzeiten in diesem Jahr und möchten ihre Marken beim ISTAF noch gern ein Stück weiter nach unten drücken. Das deutsche Quartett komplettiert Ricarda Lobe (MTG Mannheim), die mit einer Bestzeit von 12,82 Sekunden ebenfalls in der deutschen Spitze mitmischt.

400 Meter Hürden

Belgiens neuer Star reist in Top-Form zum ISTAF

Die belgischen Leichtathletik-Statistiker haben in diesem Sommer jede Menge zu tun. Der Grund hat einen Namen: Paulien Couckuyt. Die 29-Jährige lief seit Ende Juni gleich sechsmal (!) Bestzeit und steigerte vergangene Woche in Lausanne den Landesrekord auf 53,28 Sekunden. Damit reist die Belgierin in Top-Form zum ISTAF und wird im Olympiastadion nur schwer zu schlagen sein. Um die Zeit einzuordnen: Paulien Couckuyt war damit nur zwei Hundertstel langsamer als Deon Hemmings (Jamaika) bei ihrem ISTAF-Rekord 1997.

Sogar fast eine Sekunde schneller war bereits Shamier Little (USA) in ihrer Karriere unterwegs. Die Staffel-Olympiasiegerin lief 2022 starke 52,39 Sekunden, kam in dieser Saison aber noch nicht an diese Top-Zeit heran. Besser lief es für Lina Nielsen (Großbritannien; 54,04 sec) und Ashley Miller (Zimbabwe; 54,08 sec). In vergleichbare Bereiche ist auch Eileen Demes (TV 1861 Neu-Isenburg) bereits vorgestoßen. Vergangenes Jahr siegte die Hessin sensationell beim ISTAF und veredelte den Triumph mit einer neuen Bestzeit von 54,29 Sekunden. Das dürfte Motivation genug sein, um auch am Sonntag ein Wörtchen um den Sieg mitzureden.

2000 Meter Hindernis

Ex-Weltmeisterin fordert Europameisterin Gesa Krause

Deutschlands erfolgreichste Hindernisläuferin kehrt zurück ins Berliner Olympiastadion: Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) startet beim ISTAF und trifft über 2000 Meter Hindernis auf starke Konkurrenz. Zwar wird die Strecke nicht so häufig gelaufen, doch beim ISTAF steht sie auf Wunsch der Athletinnen regelmäßig auf dem Programm. Schon 2019 und 2024 triumphierte Gesa Krause auf der verkürzten Hindernis-Distanz. Vor sieben Jahren sorgte sie dabei mit 5:52,80 Minuten für eine Weltbestzeit, die bis heute zu den herausragenden Leistungen in der Geschichte des Meetings zählt.

Nun kehrt die zweimalige WM-Dritte in bärenstarker Form zurück nach Berlin. Ihr dritter EM-Titel vor zwei Wochen in Birmingham sowie neue Bestzeiten über 1500 Meter (4:04,28 min) und 3000 Meter (8:45,34 min) unterstreichen ihre starke Form. „Das ISTAF gehört für mich zu den besonderen Höhepunkten der Saison. Die Atmosphäre im Berliner Olympiastadion ist einzigartig und die 2000 Meter Hindernis haben hier eine echte Tradition.“

Die amtierende Europameisterin muss sich im Olympiastadion allerdings mit schneller Konkurrenz auseinandersetzen. So ist mit Emma Coburn eine Läuferin dabei, die auf den Hindernisstrecken schon genauso lang zu Hause ist wie Gesa Krause. Die US-Amerikanerin, mittlerweile 35 Jahre alt, lief 2017 in London zum WM-Titel und wurde zwei Jahre später in Doha noch einmal WM-Zweite. Damals stellte sie mit 9:02,35 Minuten wie Gesa Krause (9:03,30 min) ihre Bestzeit über 3000 Meter Hindernis auf und lief 2026 immer noch schnelle 9:15,97 Minuten.

Sogar ein wenig schneller (9:15,33 min) war Olivia Gürth (Silvesterlauf Trier) auf ihrem Weg zu EM-Bronze in Birmingham unterwegs. Pünktlich zum Saisonhöhepunkt war sie damit in Top-Form und möchte diese natürlich auch im Olympiastadion unter Beweis stellen. Am Donnerstag in Zürich steigerte die EM-Dritte ihre Bestzeit sogar auf 9:15,07 Minuten. Auch Flavie Renouard überzeugte in Birmingham. Die Französin lief als EM-Siebte 9:21,88 Minuten und hat auch schon ISTAF-Erfahrung. 2024 lief sie im Olympiastadion auf Rang vier. Diesmal soll es im Windschatten der Top-Favoritinnen für einen Platz auf dem Podium reichen. Allerdings stieg sie am Donnerstagabend in Zürich vorzeitig aus, sodass hinter ihrer aktuellen Form ein kleines Fragezeichen steht.

Weitsprung

Mikaelle Assani feiert ISTAF-Comeback

Eins der größten deutschen Weitsprung-Talente wurde in der Hallensaison 2025 schmerzhaft ausgebremst. Bei der Hallen-EM verletzte sich Mikaelle Assani (Karlsruher SC) schwer. Doch die 24-Jährige kämpfte sich zurück, feierte 15 Monate später ihr Comeback und qualifizierte sich für die EM in Birmingham. Nun schnürt die Karlsruherin auch endlich wieder beim ISTAF die Weitsprungspikes und reist mit besten Erinnerungen nach Berlin. Denn ihren bis dato letzten ISTAF-Auftritt beendete sie mit einem Sieg. Beim ISTAF Indoor 2025 in Berlin war sie nicht zu schlagen.

Mit einer Saisonbestleistung von 6,67 Metern ist die Deutsche Meisterin natürlich nicht die absolute Top-Favoritin auf den Sieg im Olympiastadion. Doch für eine Überraschung ist die 24-Jährige immer gut – und bringt das nötige Potenzial mit. Nach der verletzungsbedingten Absage von Olympiasiegerin Malaika Mihambo (LG Kurpfalz) ist Imke Daalmann (TSV Bayer 04 Leverkusen) die zweite deutsche Starterin. Hinter der 27-Jährigen liegt eine starke Saison. Sie steigerte ihre Bestleistung auf 6,69 Meter. Außerdem belegt ein Blick in die Statistik ihre neue Konstanz: Acht ihrer zehn besten Wettkämpfe stammen aus dieser Saison. Diese Bilanz möchte sie im Olympiastadion nur zu gern auf neun ausbauen.

Natürlich fehlen auch die internationalen Asse beim ISTAF nicht und würden den prestigeträchtigen Sieg zu gern mit nach Hause nehmen. Die stabilsten Ergebnisse liefert in diesem Jahr Marthe Koala ab. Die Landesrekordlerin von Burundi übertraf zuletzt reihenweise die 6,70-Meter-Marke. Ihr Landesrekord steht sogar bei 6,94 Metern. Auch Iryna Budzynska hat sich in diesem Jahr stärker präsentiert als je zuvor. Mit 6,82 Metern steigerte die Ukrainerin ihre Bestleistung deutlich. Weitere Anwärterinnen auf den Sieg sind Tary Gittens (Trinidad & Tobago, PB: 6,96 m) und die Nigerianerin Ruth Osoro, die mit einer Bestleistung von 6,87 Metern beim ISTAF antritt.

Kugelstoß

Olympiasiegerin Yemisi Mabry trifft auf 20-Meter-Abonnentin

Das ISTAF ist bereit für den Kugelstoß-Gipfel: Olympiasiegerin Yemisi Mabry (MTG Mannheim) trifft auf Chase Jackson. Die US-Amerikanerin ist nicht nur zweifache Weltmeisterin, sondern liefert in diesem Jahr auch Top-Weiten in Serie ab. Bei nur einem Wettkampf übertraf die 32-Jährige in der Freiluftsaison nicht die 20-Meter-Marke. Ihre Saisonbestleistung von 20,92 Metern stieß sie erst vergangene Woche bei der Diamond League in Chorzow. Die Form passt also. Vielleicht wackelt sogar der ISTAF-Rekord. Den hält seit 42 (!) Jahren die tschechische Hallen-Weltrekordlerin Helena Fibingerova mit 20,98 Metern.

Ohne Gegenwehr wird Yemisi Mabry ihrer US-Konkurrentin den Sieg im Olympiastadion aber nicht überlassen. Die EM-Dritte bietet in diesem Sommer stabile Weiten um 19,50 Meter an. Vielleicht folgt der Ausreißer jenseits der 20-Meter-Marke ja beim ISTAF? Eine weitere Sieganwärterin ist Sarah Mitton. Die Kanadierin hat in diesem Sommer schon 20,66 Meter weit gestoßen und ebenfalls in schöner Regelmäßigkeit die 20-Meter-Marke übertroffen. Richtung 19 Meter soll es für die deutsche Nummer zwei und EM-Finalistin Katharina Maisch (LV 90 Erzgebirge) gehen. Das deutsche Trio im Ring komplettiert Julia Ritter (TV Wattenscheid 01).

Diskuswurf

Meetingrekordlerin gegen deutsche Wurf-Asse

Steht der Diskuswurf beim ISTAF auf dem Programm, darf eine Frau nicht fehlen: Valarie Sion (geborene Allman). Seit 2021 hält die zweimalige Olympiasiegerin mit 71,16 Metern den Meetingrekord und dürfte auch in diesem Jahr nur schwer zu schlagen sein. Mit zwei 70-Meter-Wettkämpfen und vielen weiteren Würfen zwischen 68 und 70 Metern bewies die 31-Jährige in diesem Sommer ihre Ausnahmestellung. Vielleicht folgt beim ISTAF ja der nächste 70-Meter-Wurf? Dass sie diese Marke konstant übertreffen kann, zeigt der Blick in die Statistiken: Der Schnitt ihrer zehn besten Wettkämpfe steht bei 71,38 Metern.

Gefordert wird Valarie Sion von einem starken deutschen Quartett. Dieses wird angeführt von Vize-Europameisterin Shanice Craft (SV Halle), die sich seit Juli auf einem Niveau jenseits der 65 Meter stabilisiert hat. Auch Kristin Pudenz (OSC Potsdam) darf in Berlin nicht fehlen. Die Olympia-Zweite von Tokio schrammte in Birmingham als Fünfte knapp am EM-Podest vorbei und belegte beim letzten ISTAF-Auftritt einen starken zweiten Platz. Ebenfalls in den Ring treten die Olympia-Vierte Marike Steinacker (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Saisonaufsteigerin Leia Braunagel (Eintracht Frankfurt). Die 25-Jährige steigerte ihre Bestleistung in diesem Jahr um vier Meter auf 64,96 Meter. Neun ihrer zehn besten Wettkämpfe stammen aus diesem Jahr.

Mixed

4×100 Meter

Eine ISTAF-Idee feiert 2028 Olympia-Premiere

Im Jahr 2012 waren die ISTAF-Macher ihrer Zeit deutlich voraus. Denn vor 14 Jahren feierte die Mixed-Staffel über 4×100 Meter Premiere auf großer Bühne. Am Sonntag steht diese neue, spannende Distanz erneut auf dem Programm – und wird in zwei Jahren in Los Angeles sogar auf großer olympischer Bühne ausgetragen. Damit hat sich die ISTAF-Idee weltweit durchgesetzt. Wie dynamisch diese Disziplin ist, bewiesen die deutschen Sprinter bei der EM in Birmingham mit Silber und der schnellsten Zeit einer deutschen Staffel in dieser noch jungen Disziplin.

Kevin Kranz, Rebekka Haase, Heiko Gussmann (alle Sprintteam Wetzlar) und Gina Lückenkemper (SCC Berlin) meisterten die Stadionrunde in 40,11 Sekunden. Vielleicht geht es beim ISTAF noch ein Stück schneller. Damit würde das ISTAF mal wieder Schauplatz eines Deutschen Rekords werden. Gefordert wird der deutsche „Vierer“ von internationalen Staffeln. So haben Jamaika und Belgien einen Start geplant. Außerdem ist eine deutsche U20-Staffel gemeldet. „Ich freue mich riesig, das erste Mal auch mit der Mixed-Staffel vor diesem Publikum beim ISTAF zu laufen“, blickt Gina Lückenkemper auf das besondere Rennen voraus.

Para-Kugelstoßen F40/41

Weltklasse-Feld mit Paralympicssiegerin und -sieger

Für Paralympicssieger und Publikumsliebling Niko Kappel (VfB Stuttgart) wird der Auftritt beim Traditionsmeeting ISTAF einmal mehr zum Heimspiel. Der 31 Jahre alte Stuttgarter hält mit 15,07 Metern den Weltrekord in der Klasse F41 (über 1,30 Meter Körpergröße). Nach der enttäuschenden Absage der Para-EM im Mai hatte das ISTAF das Kugelstoßen der Para-Athletinnen und -Athleten kurzerhand ins Programm genommen. Und Kappel griff persönlich zum Telefon und trommelte in der Startklasse F40/41 ein Weltklasse-Feld für den Mixed-Wettbewerb zusammen. Mit dabei sind Paralympicssiegerin Lara Baars (NED) und F40-Ex-Weltmeister Yannis Fischer, die beide mit Kappel in Stuttgart trainieren. Aus Kroatien reist Matija Sloup an, der in dieser Saison bereits 10,55 Meter gestoßen hat und der junge Grieche Nikolaos Ntisios (11,70 Meter). Bei den Frauen kriegt es Lara Baars mit Amy Thompson (UK, 8,67 Meter) und Charlotte Bolton (CAN, 10,02 Meter) zu tun, die beide in dieser Saison persönliche Bestleistungen erzielt haben.

U20 Rudi-Thiel-Meile

Deutsche Talente messen sich auf großer Bühne mit dem U20-Weltmeister

Zum dritten Mal dürfen sich die Mittelstrecken-Talente beim ISTAF auf ganz großer Bühne präsentieren. Denn seit 2024 wird die Rudi-Thiel-Meile, benannt nach dem langjährigen Meetingdirektor, im Olympiastadion ausgetragen. Für die Youngster ist es eine absolute Ehre, auf der blauen Bahn zu starten. So sind viele deutsche Top-Talente im Rennen. So steigerte sich Piet Hoyer (Königsteiner LV) über 1500 Meter auf 3:42,23 Minuten. Im Olympiastadion stehen mit der Meile exakt 109,34 Meter mehr auf dem Programm.

Im Trio überzeugten in diesem Sommer die jungen Mittelstreckler des TuS Köln rrh. Finn Jakob Merheim, sein Zwillingsbruder Jan Emanuel und Lasse Block steigerten Ende Juli den Deutschen U20-Rekord über 3×1000 Meter auf 7:15,55 Minuten. Vielleicht können die Kölner im Trio ein Wörtchen um den Sieg mitreden? Dafür müssten sie allerdings einen Weltmeister schlagen: Bakr El Asri. Der Spanier entschied in Eugene die U20-WM über 3000 Meter Hindernis für sich. Im Vorfeld hatte der 19-Jährige bereits den U20-Europarekord auf 8:24,40 Minuten verbessert und könnte seine starke Saison mit einem Sieg im Olympiastadion über die Rudi-Thiel-Meile krönen.